Ausflug nach Pinar del Rio
Am zweiten Festival-Tag stand ein Ausflug nach Pinar del Rio auf dem Programm. Bei meinen früheren Kuba-Reisen sind wir auf eigene Faust gereist, dieses Jahr mache ich, um das auch einmal zu erleben, das offizielle Festival-Programm mit. Offiziell heisst in Kuba manchmal auch kompliziert. Für unseren Ausflug nach Pinar reihte sich unser Bus in einen Kovoi ein, der von einer Polizei-Eskorte angeführt wurde. Mitten auf der Autobahn und später noch einmal in Pinar del Rio stoppten die Busse, die Formation sammelte sich neu, die Polizei besprach das weitere Vorgehen, hielt ein Schwätzchen, und dann ging es wieder weiter. Von Pinar del Rio aus fuhren wir weiter nach San Juan y Martinez, einem der Hauptangebiete für die Tabake der Habanos-Produktion. Hier teilten sich die Busse auf und fuhren in kleinen Gruppen zu Farmen und Verarbeitungsbetrieben.
Wir durften die Vega Monterrey besichtigen, das ist ein kleiner Betrieb, der ganz in Frauenhand ist und von María Luisa Álvarez Alfonso geführt wird. Die Farm baut Criollo-Tabake an, eine der Hauptsorten für die Habanos-Produktion. Die Ernte war bei unserem Besuch schon fast abgeschlossen. Mit der Zigarrenmarke Hoyo de Monterrey hat diese Farm heute keine direkte Verbindung mehr; Monterrey ist der Name einer Region in Pinar.
Den nächsten Stopp machten wir in einer Kooperative, in welche die lokalen Farmer ihre Tabake ein erstes Mal klassifizieren und für den Transport in die Fermentationsbetriebe vorbereiten. Interessant sind die neuen Trocknungshäuser für die Deckblätter: Anders als die Einlagetabake, die direkt bei den Bauern getrocknet werden, gibt es für die Deckblätter zentrale Trocknungshäuser. Letztes Jahr hat Kuba dafür ein neues System mit einer automatischen Regulation von Temperatur und Luftfeuchtigkeit eingeführt. Die Häuser sind mit Isolierschaum abgedichtet, für die Regulierung des Klimas sind grosse Dieselgeneratoren im Einsatz. Damit wolle man die neuen technischen Möglichkeiten nutzen, aber nicht vom «Hecho a mano»-Prinzip abweichen, hat mir Hiroshi Robaina im letzten November erklärt. Es sei wie in der Schule: Man nützt neue technische Möglichkeiten zur Vermittlung des Stoffes. Trotzdem bleibt der Lehrer bzw. der Mensch der Chef im Klassenzimmer.
Ein nächstes Müsterchen kubanischer Organisationskunst wurde uns beim Transfer zum Mittagessen geboten. An einer Kreuzung stellte sich uns eine «Guardia»-Einheit in den Weg, gegen welche sich selbst unsere Polizeieskorte nicht durchsetzen konnte. Natürlich wurden alle Probleme irgendwann gelöst und der Festival-Tross durfte weiterfahren. Die Rückreise ohne Organisation verlief dann problemlos. Mit Langusten, Zigarren und Mojito haben wir diesen Tag in einem kleinen Paladar ruhig ausklingen lassen.
