Du sollst nicht rauchen

(Bildquelle: Cigarlabeljunkie.com)
Vergangene Woche hat der österreichische Imam Adnan Ibrahim eine «Fatwa gegen das Rauchen» erlassen. Eine Fatwa ist ein islamisches Rechtsgutachten, das laut Wikipedia jedoch nicht für alle Muslime bindend ist. Die strenge Ablehnung des Tabakkonsums, die in diesem Text zum Ausdruck kommt, ist erstaunlich, pflegen die arabischen Länder mit dem Shisha-Rauchen doch eine eigene Tabak-Kultur. Argumentiert wird das religiös motivierte Rauchverbot von Imam Ibrahim wie folgt:
Es ist allgemein bekannt und bestätigt in der islamischen Jurisprudenz, dass für das Urteilen über einen bestimmten Sachverhalt nicht immer ein eindeutiger Text (aus dem Koran oder Tradition des Propheten) notwenig ist, der sich im engen Sinne auf diesen Sachverhalt bezieht. Denn es existieren viele allgemein gefasste Regeln, aus denen man unbegrenzt kleinere deduziert. Und dazu gibt es das Werkzeug des «Ijtihad» d.h. die Anstrengung, um zu einem islamischen Rechtsgutachten zu gelangen. Vergleichende Studien kommen hier an erster Stelle. Daraus ergibt sich das Vergleichen dessen, was ohne eindeutigen Text aus den islamischen Quellen der Jurisprudenz hervorgeht, mit dem, was mit eindeutigen Texten versehen war, wenn beide den gleichen Grund haben.
Aus dem Gebot, man dürfe sich selber und anderen keinen Schaden zufügen, leitet der Imam ab, dass aus islamischer Sicht das Rauchen nicht toleriert werden kann.
Hat auch die christliche Lehre Argumente für oder wider das Rauchen? «Du sollst nicht rauchen» stehe nicht in der Bibel, wird im Finanzblog festgehalten. Eine kurze Google-Recherche fördert aber auch anderes zu Tage. Auf Qualm-nix.de finden wir folgende Argumentationskette:
Rauchen begünstigt und verursacht Krankheiten [.. ], es mindert das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Im 1. Korintherbrief 3, 16-17 heisst es jedoch: «Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.»
Und (Lukas 10, 27): «Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.»
Die muslimischen und christlichen Pfeile richten sich wohl vornehmlich gegen den Zigarettenkonsum. Trotzdem die Frage: Bleibt der Zutritt zu Himmel und Seelenheil auch uns Genussrauchern verwehrt?
Zur Hilfe kommt dem Zigarren-Geniesser, etwas unverhofft, der bereits vorgestellte Imam Adnan Ibrahim. Wenn eine Sache Vor- und Nachteile hat, erklärt Imam Ibrahim, gilt es abzuwägen: Ist eine Sache mehr zum Nutzen oder zum Schaden der Menschen? Überwiegt der Schaden, gehört die Sache verboten. Überwiegt aber der Nutzen, so handelt es sich um «gute Dinge».
Eigentlich vernünftig. Auch der Genussraucher macht diese Abwägung von Nutzen und Schaden, wenn er sich eine Zigarre anzündet. Um zu entspannen, dem Alltag zu entfliehen und die Gedanken schweifen zu lassen. Und es dürfte klar sein, zu welchem Schluss er immer wieder aufs neue kommt, während er genussvoll pafft..