«Gefährliche Aura des Natürlichen»: Zigarren im Visier der Lungenliga
In der Berner Zeitung haben gestern die Anti-Raucher-Organisationen Lungenliga und pro aere einen Angriff gegen Cigarillos und Zigarren gestartet. Diesen würde eine «gefährliche Aura des Natürlichen» anhaften, ihr Absatz sei deshalb nicht wie jener der Zigaretten rückläufig. Dagegen sei mit neuen Reglementierungen anzukämpfen:
Besonders pikant: Niemand weiss, wie hoch die Schadstoffgehalte von Zigarillos exakt sind. Weder das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch die Spezialisten vom Inselspital Bern, noch die Lungenliga können auf Anfrage entsprechende Angaben machen. Für Zigarillos und Zigarren existieren auch keine gesetzlichen Grenzwerte für die Schadstoffe Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid – im Gegensatz zu den Zigaretten. Dort müssen definierte Werte eingehalten und auf den Packungen angegeben werden. «Bisher waren Höchstwerte für Zigarren und Zigarillos in der Schweiz kein gesetzgeberisches Thema», sagt Sprecherin Nicole Disler vom BAG. «Auch im Vernehmlassungsverfahren im Zuge der Totalrevision der Tabakverordnung 2004 wurden solche Höchstwerte von keiner Seite gefordert.»
Die Stiftung Pro Aere möchte das ändern. «Wenn Schadstoffe auf der Packung explizit angegeben sind, schreckt das zusätzlich ab», sagt Präsident Jürg Hurter. Er fordere deshalb eine Deklarationspflicht für alle Schadstoffe im Tabakrauch, auf allen Produkten.
Die Deklaration von Inhaltsstoffen bei Premium-Zigarren ist unsinnig. Anders als bei industriell hergestellten Zigaretten sprechen wir hier von Naturprodukten – nicht jede Cohiba enthält gleichviel Nikotin. Und die Analyse von kleinen Zigarren-Serien wäre finanziell ruinös. Philip Morris wusste das, und hat deshalb selber einst ähnliche Forderungen aufgestellt, um Mitbewerber aus dem Markt zu drängen.
Die Passivrauch-Schlacht ist geschlagen. Jetzt geht es wieder den Rauchern selber an den Kragen. Die Nichtraucherorganisationen orientieren sich neu. Und der liberale Felix Gutzwiller von der Lungenliga Zürich (bisherige Argumentation: «die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo sie anderen schädigt») wird vermutlich die vollständige Schadstoff-Transparenz als unabdingbare Voraussetzung für eine freie Willensbildung erklären.