«Glaubenskrieg im Fumoir»
Am Samstag hat der Tages-Anzeiger im Artikel «Glaubenskrieg im Fumoir» die Differenzierung von Zigaretten und Zigarren thematisiert. Als Aufhänger diente das Hotel Greulich, das in seinem Fumoir nur noch Zigarren duldet und Zigarettenraucher wegweist. Die interessante Frage ist jetzt: Dürfen wir Zigarrenraucher, die wir uns gegen die Diskriminierung durch Nichtraucher wehren, unsererseits Zigarettenraucher diskriminieren? Dazu der Tages-Anzeiger:
Es komme ihr vor, wie wenn zwei Rollstuhlfahrer versuchten, sich gegenseitig die Pneus zu zerstechen, beklagt sich eine Raucherin gegenüber dem TA.
Meines Erachtens ist die Differenzierung zwischen Sucht und Genuss richtig und wichtig. Die Zigarettenraucher haben uns gewissermassen, um das Bild von oben aufzunehmen, überhaupt erst in den Rollstuhl gebracht. Solange wir unsere liberalen Grundsätze nicht aufgeben und rauchfreie Lokale ebenso respektieren wie Fumoirs für Zigarettenfreunde, ist gegen Lounges nur für Zigarren-Geniesser nichts einzuwenden. Schön argumentiert Raphael Hostettler vom Zigarrenclub Habanos Smokers:
Einer, der regelmässig in der Greulich-Lounge dem Laster frönt, ist Raphael Hostettler. Der 23-Jährige ist Präsident der Habana Smokers, einem Zigarren-Klub. Er sagt: «Wir sind Genussraucher, das unterscheidet uns von den Schlotern.» An einem Abend pafft Hostettler eine Zigarre, maximal zwei. «Mich stört, dass seit dem Rauchverbot alle Raucher in den gleichen Topf geworfen werden.» Als Zigarrenliebhaber werde man zum Süchtigen abgestempelt. «Dabei geht es uns um die Kultur, den geschichtlichen Hintergrund.» Für Hostettler ist es ein Glück, dass Zigaretten nicht erwünscht sind im Greulich. Es schmälere den Genuss, wenn Zigarettenrauch die Lounge einneble.
Die Kultur ist das eine, die Gesundheit das andere. Der Tages-Anzeiger befragt zu den Unterschieden zwischen Zigaretten- und Zigarrenrauch den Präsidenten der Zürcher Lungenliga:
«Da Zigarrenraucher in der Regel nicht inhalieren, haben sie ein geringeres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.» Freilich gelte dies nur fürs Rauchen im Freien, im Fumoir gelange der Rauch durch die Atmung in die Lunge. Zigarrenrauch sei hingegen erträglicher, da reiner Tabak verbrannt werde, und keine Vielzahl Gifte wie in der Zigarette. «Bis zur Erfindung der Zigarette vor rund 100 Jahren war Lungenkrebs eine medizinische Rarität.»