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Rum-Highlights von der Whisky Live Paris

Unser Rum-Chef Chris besuchte die Spirituosen-Messe Whisky Live Paris und zeigt uns auf einem Rundgang durch die Messe seine Highlights.
#IMPRESSIONEN #RUM #UNTERWEGS 18. Oktober 2025

Am letzten Septemberwochenende fand bereits zum 21. Mal die Whisky Live Paris statt. Was 2004 als Fachmesse mit Fokus auf Whisky begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem der bedeutendsten Events für hochwertige Spirituosen – und insbesondere für Rum. Spätestens seit dem Umzug in die prachtvolle Grande Halle de la Villette im Nordosten von Paris im Jahr 2018 ist die Rhum Gallery ein fester Bestandteil der Messe. Heute zählt sie zu den spannendsten Rum-Plattformen Europas, mit fast 60 vertretenen Produzenten, Importeuren und unabhängigen Abfüllern, die ihre neuesten Produkte, Raritäten und Spezialitäten zur Verkostung anbieten.

Von Caroni bis Capovilla


Der erste Messetag begann in der VIP-Area, wo sich vor allem unabhängige Produzenten mit raren Abfüllungen präsentierten. Gleich zu Beginn stach ein Favorit heraus: ein 18 Jahre gereifter Full Proof Diamond Guyana Rum aus der Wild Parrot Serie von Hidden Spirits – ein echtes Schwergewicht. Auch Abfüllungen aus Fidschi, La Réunion und Jamaika überzeugten, auch wenn viele Flaschen bereits vergriffen sind.

Am Stand von Hampden Estate wurde das dritte Batch der Pagos-Serie vorgestellt – im Vergleich zu den Vorgängern leider etwas enttäuschend. Positiver war unser Eindruck dagegen vom Great House 2025 und einer exklusiven Whisky Live Paris (WLP) Abfüllung.

Einige Stände wurden regelrecht belagert – darunter Velier, Neisson, Longueteau und vor allem jene, die Caroni Rums präsentierten. Der Caroni-Hype hält ungebrochen an. Velier legte nach mit einer 25-jährigen Messe-Sonderabfüllung, die in kürzester Zeit vergriffen war. Überraschend stark: die neuen Guyana 2004 und Jamaica Vale Royal 2006 Releases, die an klassische Velier-Abfüllungen erinnerten und auf eine Verfügbarkeit in der Schweiz hoffen lassen.

Am Stand von Rhum Rhum zog ein Grandseigneur die Aufmerksamkeit auf sich: Vittorio Cappovilla. Der italienische Obstdestillateur war vor Ort mit verschiedenen seiner Grappe, aber auch mit drei seiner neuen Rhum Rhum Abfüllungen, deren Geschichte bei Bielle in Guadeloupe begann und jetzt bei Poisson fortgesetzt wird. Die gewohnt herausragende Qualität dieses Rhums konnte mit der neuen 2024er Version in zwei unterschiedlichen Alkoholstärken (45 & 58%vol.) und mit einer «Extra Vieux 2012» Abfüllung degustiert werden.

Zum Abschluss des Abends genossen wir eine Partagás Lusitanias und Ti Punchs im Gentlemen 1919, einer Speak Easy Bar, die sich im 8. Arrondissement hinter einem Barber Shop verbirgt und nur mit Reservation zugänglich ist. Ein kleines, feines Establissement mit kreativen Cocktails und kuratierter Zigarrenauswahl – empfehlenswert. Und einen Schlummi in der Tiki-Bar «Dirty Dick» konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Ruhe, Tiefe und Entdeckungen


Der zweite Messetag begann früh, während sich viele der knapp 25.000 Besucher noch vom Vortag erholten. Der ruhigere Sonntagmittag erlaubte intensivere Gespräche und entspannte Verkostungen. Unser erster Stopp: Eminente, die neueste Rummarke aus Kuba. Zwei Neuheiten wurden vorgestellt: die bereits erhältliche Edition No. 2 des zehnjährigen Rums mit Sauternes-Finish, sowie eine neue 5-jährige Abfüllung, als nun zweitjüngstem Rum im Eminente-Portfolio.

Auch Havana Club war vertreten, präsentierte seine neu designte Iconica-Reihe im eleganten Art-Deco-Stil. Die Abfüllungen Tributo 2025 und Don Navarro sind zwar bereits bekannt, wurden aber dennoch mit Freude erneut verkostet.

Viel Zeit verbrachten wir am Stand von Isautier – für uns schon bei unserem letzten Besuch der Whisky Live ein Favorit. Die älteste Destillerie von La Réunion wird noch immer in sechster Generation familiengeführt – eine Seltenheit. Verkostet wurden die gereiften Rums «Alfred», «Antoinette», «Apollonie» und «Louis & Charles», die mit komplexen, vielschichtigen Aromen überzeugten. Höhepunkt war die limitierte und fassstarke Single Cask Edition zum 180-jährigen Jubiläum. Nach all den gereiften Abfüllungen fiel unsere Aufmerksamkeit dennoch auf einen ungereiften Isautier Rum, der nach eigener Aussage als einziger Rum weltweit eine gemeinsam fermentierte Mischung aus Melasse und Zuckerrohrsaft als Ausgangsmaterial verwendet. Der cremig-süsse, dennoch frische «Agent Double Fusion» hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie oft man doch (ungewollt) die klaren, ungereiften Rums als Genussspirituose unterschätzt. Isautier verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.

Bally, Rum Nation, Velier


Ein kurzer Abstecher führte uns zu J. Bally (Martinique), bekannt für ihr Art-Deco-Design. Besonders gefallen hat uns der 14-jährige Private Cask Brut de Fût 2009, mit überraschend grasig-grüner Note. Auch der 2004er Brut de Fût war exzellent, wobei bei solchen limitierten Abfüllungen die Verfügbarkeit – besonders in der Schweiz – oft fraglich ist, da viele Rhum-Agricole-Marken keinen offiziellen Importeur haben.

Weniger überzeugend: der Stand von Rum Nation. Die Auswahl war leider enttäuschend und die einzige vorgestellte Neuheit – ein 8-jähriger Rhum aus Marie Galante von Pere Labat – war solide, aber kein Höhepunkt.

Noch einmal kurz zurück zum Stand von Velier, denn man weiss nie, was noch unter dem Tresen hervorgezaubert wird und man will nichts verpassen. Zwei Fass-Samples stehen da – ein sechsjähriger Long Pond STCE und ein 14 jähriger Monymusk, beide mit etwas über 72%vol., die wohl so nie erhältlich sein werden und umso spannender waren zu verkosten.

Farben, Fakten und Fasspolitik


Ein weiterer interessanter Stand mit einem sehr langen und informativem Austausch war der unabhängige, polnische Abfüller «The Colours Of Rum». Neben herausragenden Abfüllungen, wie dem mit 9 Jahren ältesten, tropisch gereiften Hampden DOK Rum, einem 23 jährigen Jamaika Clarendon Rum, verschiedene Hampden Rums mit unterschiedlichem Fassfinish, Rums aus Fidschi, Barbados, Trinidad, von denen uns keiner wirklich enttäuscht hat. «The Colours Of Rum» haben nach eigener Aussage bedeutende Fassbestände, die sie sowohl in Polen, als auch in Grossbritannien lagern. Thema waren die Preissteigerungen von Rums bestimmter Destillerien, wie beispielsweise Hampden und dem klaren Verständnis der Macher von Rumfässern als Investment.

Rum-Liebhaber kommen auf ihre Kosten


Die Whisky Live Paris bleibt ein Pflichttermin für Geniesser und Sammler. Die Organisation war erstklassig, die Location inspirierend, und die Dichte an spannenden Abfüllungen sowie der Austausch mit Produzenten und Gleichgesinnten machen dieses Event jedes Jahr aufs Neue zu einem besonderen Erlebnis.

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