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Hampden Distillery: Urgewalt aus Jamaika

Die Destillerie Hampden Estate aus Jamaica produziert seit 1753 Rums. Die Spezialität: Hochestrige Rums, die früher als aromatische Beigabe in Rum-Verschnitten verwendet wurdet. Seit 2011 produziert Hampden Estate eigene Abfüllungen und sorgt in der Rumszene mit hocharomatischen Destillaten für Furrore.
#RUM #UNTERWEGS 20. Mai 2021

Von einem Geheimtipp kann man bei der Hampden Estate Distillery heute nicht mehr sprechen. War die Hampden Distillery lange ein ungeschliffener, jamaikanischer Rum-Roh-Diamant, gehört sie seit ein paar Jahren zu den Superstars der Rum-Szene. Die geschmackliche Urgewalt der Hampden-Abfüllungen, geprägt von einem hohen Estergehalt, die Firmengeschichte und die Herstellungsmethodik machen die Hampden Distillery einzigartig. Der erste Kontakt mit einem Hampden Rum ist eindrücklich, manchmal brutal. Einsteiger sind überfordert. Wer jedoch bereit ist, sich auf diese Destillate einzulassen, ihnen Zuwendung und Zeit schenkt, dem offenbart sich eine neue geschmackliche Welt, hoch-aromatisch und komplex.

Hampden Estate

Pure Single Jamaican Rum

85.00 CHF

Hampden Estate

Pure Single Jamaican Rum Overproof

105.00 CHF

Die Geschichte der Destillerie reicht zurück bis in das Jahr 1753, als die aus Schottland stammende Familie Sterling ein Stück Land in der Nähe von Trelawny kaufte und mit dem Anbau von Zuckerrohr begann. Vierzehn Jahre später wurde nachweislich mit der Produktion von Rum begonnen. Auch das herrschaftliche Anwesen, das ‹Great House›, wurde bereits in diesen Jahren errichtet.

Die Kultivierung der Zuckerrübe in Europa und die damit schwindende Nachfrage von karibischem Rohrzucker brachte viele Plantagen in Not. Dass sich die Zahl der Destillerien von etwa 100 alleine um Trelwany auf nunmehr zwei reduziert hat, ist mit Sicherheit auch darauf zurückzuführen. Durch die Anpassung an die jeweiligen Bedürfnisse des Marktes konnte die Hampden Estate die Zeiten überdauern. Rums aus dieser Destillerie waren aufgrund ihrer Intensität Hauptbestandteil in Rumverschnitten, speziell in denen aus dem deutschen Flensburg. Kolonialwarenhändler der Hafenstadt importierten ab 1867 Rum hauptsächlich aus der Britischen Kolonie Jamaika, nachdem die Stadt nach dem zweiten Schleswigschen Krieges an Deutschland gefallen war und die dänischen Überseekolonien, wie St. Thomas, St. Jan und St. Croix, als Quelle versiegte. Ein neues preussisches Monopolgesetz zum Schutz einheimischer Spirituosen erhöhte die Einfuhrzölle auf Rums ab 1885 extrem. Um dies zu umgehen, ersannen die Händler den Rumverschnitt, für den ein Anteil von nur 5% an hocharomatischen Rums einem Destillat anderer Grundstoffe beigemischt wurde – oft Rums aus der Hampden Destillerie, die ihre Destillate zu diesem Zweck mit extrem hohem Estergehalt brannten.

Bis ins Jahr 2003 blieb die Hampden Estate weitestgehend in Familienbesitz und wurde 2009 von den Brüdern Andrew und Outram Hussey übernommen. Bis zu ihrer Wiedereröffnung war Hampden als Rum-Marke völlig unbekannt, da die Destillerie früher vor allem Bulk Rums, also Massenware zum Blenden verkaufte und kein eigenes Lager für die Reifelagerung betrieb. Das änderte sich ein Jahr nach der Übernahme, als Hampden begann, den Rum selber in Jamaika zu lagern. Die erste Abfüllung der Destillerie unter eigenem Namen kam 2011 auf den Markt – 258 Jahre nach Gründung des Estates! Dieser ungelagerte Rum Fire erregte die Aufmerksamkeit von Bartendern und Rumkennern. Parallel dazu kamen über unabhängige Abfüller auch Fässer aus der Zeit vor der Schliessung in den Handel und in die Hände interessierter Connaisseure. Seitdem steigt das Interesse an diesen aussergewöhnlichen Rums stetig.

Verschiedene Faktoren bei der Herstellung haben Einfluss auf die Charaktereigenschaften des Hampden Rums. Für die Herstellung der Melasse-Maische wird ausschliesslich Wasser aus einer nahegelegenen Quelle verwendet – Versuche mit Alternativen schlugen fehl. Um die natürliche Fermentation in Gang zu bringen, verwendet Hampden keine Laborzuchthefen, sondern seit jeher eigene, wilde Hefen – und lässt sich viel Zeit für diesen Prozess. Dass die Gärbottiche aus uraltem Holz bestehen, an denen sich noch immer Rückstände aus hunderten Jahren Fermentation befinden, hat ebenfalls keinen unbedeutenden Einfluss auf die späteren Aromen. Auch der für Jamaika nicht untypische Einsatz von sogenanntem Dunder findet Verwendung. Dazu werden Rückstände aus vorherigen Destillationsprozessen mit Zuckeressig, frischer Melasse und Wasser vermischt und der neuen Maische beigegeben, was zur Entstehung der Ester führt. Diese Mischung darf nun 15 Tage gären – dreimal länger als bei den meisten anderen Rumproduzenten.

Hampden Estate

«Great House» Distillery Edition 2020

119.00 CHF

Dann gibt Hampden der Maische einen Zusatz aus der sogenannten «Muck Pit» bei, einer Grube, in welche Rückstände aus den Destillationen kommen, aber auch Früchte, Melasse und ähnliches, und die wie ein Bioreaktor oder Komposthaufen funktioniert. Die Muck Pit bei Hampden existiert seit den frühen Tagen der Destillerie und wurde seither «gepflegt». Die fermentierte Maische wird nun gemeinsam mit der Muck Pit weitere 14 Tage sich selbst überlassen. Insgesamt eine unglaublich lange Gärzeit, die genau jene Ester-Verbindungen entstehen lässt, für die Hampden bekannt ist.

Nach diesem Prozess wird der fertige Low Wine auf einer der vier Double Retort Pot Stills gebrannt. Da die Pot Stills zwei Retorten/Destillierkolben besitzen, genügt ein Brennvorgang für das ca. 85%vol.-Destillat. Wie bei anderen Destillerien haben die Pot Stills unterschiedliche Namen. Bei Hampden sind das «Jon Dore» (1960), «Vendome» (1994), «Forsyths» (2010) und «TNT» (2016). Vor allem bei den Abfüllungen von Habitation Velier sind die jeweiligen Destillationsapparate prominent auf dem Etikett abgebildet.

Habitation Velier

Hampden LFCH 2011/2018

270.00 CHF

Habitation Velier

Hampden C<>H 2010/2020

290.00 CHF

Habitation Velier

Hampden LFCH 2011/2018

270.00 CHF

Compagnie des Indes

Jamaica Hampden 2009/2018 Cask Strength

200.00 CHF

Die oben beschriebenen Ester sind ein messbarer Aromenbestandteil und werden mit Gramm pro Hektoliter reinen Alkohols (gr/hlpa) angegeben – auf manchen Etiketten findet man diese Angaben, die zur Orientierung dienen können. Jamaikanische Rums werden entsprechend ihrem Estergehalt offiziell in vier Gruppen gegliedert: «Common Clean» mit 80-150 gr/hlpa, «Plummer» mit 150-200 gr/hlpa, «Wedderburn» mit 200-300 gr/hlpa und schliesslich «Continental Flavour» mit 700-1600 gr/hlpa. Hampden verwendet insgesamt neun eigene Mark-Bezeichnungen, die feiner einteilen und auch innerhalb der klassischen Kategorien noch Bezeichnungen definiert. Die bekannteren Marks, die man auf zahlreichen Hampden-Abfüllungen wiederfindet, sind beispielsweise LROK, HLCF, <H>, C<>H, aber auch Rums mit niedrigem Esteranteil werden seit der Wiedereröffnung produziert, so der OWH mit 40-80 gr/hlpa (ein Estergehalt unter der offiziellen jamaikanischen Kategorisierung) oder der LFCH mit 85-120 gr/hlpa. Neben dem bereits erwähnten Rum Fire gibt es mittlerweile in Zusammenarbeit mit Velier auch weitere Abfüllungen unter eigenem Namen, so die beiden Hampden Estate Rums und die «Great House»-Abfüllung. Des weiteren findet man unzählige Independent Bottlers, wie Single Barrel Selection, Cadenhead’s, Compagnie des Indes, Habitation Velier, Kill Devil, Rum Nation, Samaroli, die Hampden-Fans in den Genuss von hervorragenden Abfüllungen gebracht haben.

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