Besuch in Pinar del Rio
Der letztjährige Ausflug nach Pinar del Rio zu den Tabakpflanzern ist uns nicht zuletzt durch die organisatorischen Kuriositäten, die Polizeieskorten und Lagebesprechungen auf der Autobahn in Erinnerung geblieben. Dieses Jahr ging alles glatt, die Idee mit dem Bus-Konvoi hat man für dieses Jahr aufgegeben. Mit der Gruppe des Schweizer Habanos-Importeurs Intertabak haben wir zwei Betriebe besucht: Eine Despalilla in San Luis und Tabakpflanzerin María Luisa Alvarez, die ich schon vom letzten Jahr kannte.
Die Despalilla habe ich dieses Jahr mit neuen Augen besucht, weil sie eine wichtige Rolle für das spätere Blending spielt und ich zu diesem Thema inzwischen dazugelernt habe. Dazu jedoch an anderer Stelle mehr. Die Despalilla hat zwei Funktionen: Zum einen werden hier die Mittelrippen der Einlagetabake entfernt. Zweitens findet in der Despalilla die Fermentation dieser Tabake statt. Beliefert werden die Despalillas von den Esgocidas, wo die Blätter zuvor klassifiziert und sortiert werden. Mit meinen neu erworbenen Spanischkentnissen konnte ich ein bisschen mit den Revisadoras plaudern, das sind die vier Damen im Bild. Ihre Aufgabe besteht darin, die Arbeit der übrigen Damen zu kontrollieren.
Bei der Tabakpflanzerin María Luisa Alvarez haben wir erfahren und auch gesehen, dass die Ernte dieses Jahr bereits abgeschlossen ist. Die Mitarbeiter waren noch damit beschäftigt, die geernteten Blätter mit einem Faden aufzuspiessen und auf die Trocknungsstangen zu hängen. Interessant ist, dass María Luisa Alvarez gerade mit einer Sommeraussaat experimentiert. Auf einem Feld hat die Tabakfarmerin Setzlinge gesetzt und schaut nun einmal, was dabei herauskommt. Eigentlich sind die Bedingungen für den Tabakanbau im Januar und Februar ideal, aber benachbarte Farmer hätten bereits Erfolge mit einer Aussaat im Sommer erzielt.
Dieses Projekt ist nicht staatlich organisiert, sondern eine private Idee und Initiative der Farmerin. Die Tabakfarmer gehören auf Kuba zu den wenigen Branchen, die schon lange eine gewisse unternehmerische Freiheit geniessen und für bessere Qualität und Erträge auch besser bezahlt werden. Zum Unternehmen, das María Luisa Alvarez mit ihrer Tabakfarm führt, konnte ich ihr einige Zahlen entlocken. Für ein Tabakbündel à 50kg erhält sie, abhängig von der Qualität, zwischen 1200 und 1800 kubanische Pesos, was 50 bis 70 Dollar entspricht. Damit bezahlt sie ihre Mitarbeiter, welche sie über das ganze Jahr beschäftigt und mit mit einem Monatslohn von rund 60 Dollar für kubanische Verhältnisse relativ gut entlöhnt. Dazu erhalten die Mitarbeiter auch Produkte, die auf der Farm produziert werden, Früchte, Bohnen etc.
Die Ernte dieses Jahr ist sehr gut ausgefallen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das im Fall von María Luisa Alvarez, dass 6000 Stangen mit Tabakblättern geerntet wurden, im Vergleich zu 4500 Stangen im Vorjahr.
