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Erinnerungen an Heinrich Villiger

Er prägte die Zigarrenbranche fast ein ganzes Jahrhundert lang: Heinrich Villiger ist im Alter von 95 Jahren verstorben.
#GESCHICHTE #ZIGARREN 28. Juli 2025

Heinrich Villiger hat die Zigarrenbranche über viele Jahrzehnte geprägt. Er kam 1930 als ältester Sohn einer Zigarrendynastie zur Welt. Nach der Schulzeit trat er in die Familienunternehmung ein und absolvierte eine interne Ausbildung. Seine Lehrjahre führten ihn in die USA, nach Puerto Rico, Kuba und in die Dominikanischen Republik. Zusammen mit seinem Bruder Kaspar Villiger übernahm er 1966 die Geschäftsführung. Als Kaspar Villiger 1989 in den Bundesrat gewählt wurde, übernahm er dessen Firmenanteile und die Verantwortung für das Unternehmen.

Das Hauptgeschäft von Villiger, die Produktion von Stumpen und Cigarillos, war über viele Jahre rückläufig. Villiger gelang es, sich zu behaupten, auch durch die Übernahme von Konkurrenz-Firmen. Von vormals hunderten Schweizer Stumpen-Produzenten überlebten bis heute zwei: Danemann-Burger und Villiger.

Im Jahr 1989 gelang Heinrich Villiger sein wichtigster Coup: Die Kubaner strebten eine Neuorganisation des Habanos-Vertriebs an und suchten nach lokalen Partnern. Nachdem die alteingesessenen Importeure sich weigerten, wandte sich die Kubaner an den Rohtabakhändler Heinrich Villiger: «Villiger, machst Du es?», habe ihn Cubatabaco-Chef Francisco Padrón gefragt. Villiger schlug ein und gewann mit seiner Firma «5th Avenue» das exklusive Vertriebsrecht für alle kubanischen Zigarren in Deutschland. Dafür überliess er den Kubanern eine 55-Prozent-Beteiligung des Unternehmens. Später beteiligte er sich auch am Schweizer Habanos-Importeur Intertabak, zudem übernahm er den Habanos-Vertrieb für die Märkte Österreich und Polen.

Seinen grossen politischen Moment erlebte Heinrich Villiger im Kampf gegen die Anti-Raucher-Stimmung um die Jahrtausendwende. In der Schweiz wurde er zum charismatischen Aushängeschild der Tabakbranche. Es ist auch seinem Einsatz zu verdanken, dass die Schweiz sich auf relativ liberale Rauchergesetze einigte. Dass ihn die WHO in diesem Zusammenhang als «Händler des Todes» bezeichnete, dürfte Heinrich Villiger wohl geschmeichelt haben.

Heinrich Villiger leitete sein Unternehmen bis fast zuletzt persönlich. In den letzten Jahren engagierte er sich stark für die Entwicklung der Premium-Zigarren-Sparte. Seine besondere Liebe galt dabei dem brasilianischem Tabak. Mit seinem wachen Geist nahm er bis zuletzt an den Entwicklungen der Branche Teil. Dazu gehört auch, dass er miterleben musste, wie die Partnerschaft mit Kuba, die drei Jahrzehntelang erfolgreich währte, zuletzt ins Wanken geriert. Die neuen Herren von Habanos mit asiatischem Hintergrund versuchten zuletzt, Villiger aus dem Geschäft zu drängen.

Wir verabschieden uns und erinnern uns an seine Liebe und sein Engagement für den «Tubak» und sein grosse unternehmerische Leistung.

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