Fanal für die Freiheit
Stern-Zwischenrufer Hans-Ulrich Jörges hat in den Archiven gestöbert und Aufschlussreiches zum Thema Rauchverbote zu Tage gefördert:
Die erste deutsche Revolution wurde auch von einem Rauchverbot ausgelöst. 1810 hatte der Berliner Polizeipräsident den Tabakgenuss in der Öffentlichkeit untersagt, er galt als Ausweis freiheitlicher Gesinnung (..). 1832 erließ König Friedrich Wilhelm III. für ganz Preußen die Order, dass das «Tabackrauchen» auf Straßen und Plätzen bei einer Strafe von zehn Silbergroschen bis zu einem Thaler verboten werden dürfe. Im März 1848 erhob sich das Volk, und das Rauchverbot spielte, so Recherchen der «FAZ», eine wichtige, wenn nicht gar die entscheidende Rolle. Am 19. März trat der Sprecher des Königs am Berliner Schloss vor das revolutionäre Volk und verkündete, alle Forderungen würden erfüllt. «Wirklich alles?», scholl es aus der Menge. «Ja, alles, meine Herren!» – «Ooch det Roochen?» – «Ja, auch das Rauchen.» – «Ooch im Dierjarten?» – «Ja, auch im Tiergarten darf geraucht werden, meine Herren.» – «Na, denn können wir ja zu Hause jehn.»
Wiederholt sich die Geschichte in Bayern? In den bayrischen Kommunalwahlen ist die für die strengen Rauchverbote verantwortliche CSU abgestürzt. Die halbherzige Korrektur kurz nach den Wahlen («Bayrisches Polit-Theater»), welche das Rauchen am Oktoberfest – das notabene in der letzten Woche vor den bayrischen Landtagswahlen beginnt – wieder erlaubt, kommt dem Kommentator wie «Freibier vor, das die Wähler besoffen machen soll».
Eine Niederlage der CSU bei den Landtagswahlen, so die Hoffnung von Hans-Ulrich Jörges, könnte einen Umschwung in der politischen Diskussion einleiten:
Deren Niederlage würde zum Fanal für die Korrektur überdrehter Antirauchergesetze – politisch, nicht nur juristisch. Und bundesweit. Ein Fanal für die Freiheit, denn schon wird über Werbe- und Ausschankverbote für Alkohol diskutiert. Vielleicht tritt ja Beckstein am 29. September vor die bayerischen Rebellen: «Ihre Forderungen werden erfüllt. Es darf geraucht werden, auch an den Stammtischen.»