«Glastubos machen mich skeptisch»
«Glastubos machen mich extrem skeptisch» hat mir in einer Diskussion über die Griffin’s Special Edition XXIV ein bekennender Havanna-Liebhaber erklärt. Ist diese Skepsis berechtigt?

The Griffin’s Special Edition XXIV 2008, einzeln verpackt in Glastubos (Oettinger-Davidoff Group)
Verpackungen haben in der Zigarrenbranche zwei wichtige Aufgaben: Mit schön verzierten oder ästhetisch reduzierten Designs werben Verpackungen um die Gunst der Kundinnen und Kunden. Die Zigarrenbranche gehörte früher zu den Pionieren auf diesem Gebiet und brachte mit den lithografischen Habilitaciónes, den Bauchbinden und ersten Marken verschiedene Marketinginnovationen hervor. Zweitens sollen Verpackung je nach Bedarf den lang- oder kurzfristigen Reifeprozess unterstützen oder, im Falle der Tubos, die Feuchtigkeit von Einzelzigarren bewahren.
In Min Ron Nees Havanna-Enzyklopädie findet sich eine umfassende Übersicht über Verpackungsarten von einst und heute. Neben den klassischen Holzkistchen wurden Havannas etwa ab 1900 auch in Alu-Folie, Blechtubos, Aluminium-Schachteln oder einzeln in Cellophan verpackt. Die wunderschönen, luftdicht schliessenden Keramik-Jarres werden laut Min Ron Nee seit dem späten 18. Jahrhundert verwendet. Min Ron Nee lobt sie für ihre Eignung für die Lagerung und Reife von Havannas über mehrere Jahrzehnte.
Auch mit Glastubos experimentierten die kubanischen Zigarren-Hersteller bis Mitte der 1970er Jahre. Min Ron Nee schreibt dazu:
In den 1950er und 1960er Jahren waren Cigarren in Glastubos weit verbreitet. Es ist unklar, wann Glastubos in Havanna erstmalig auftauchten. Aufgrund der Muster, die in Kuba aufgefunden wurden, mögen sie um die gleiche Zeit eingeführt worden sein wie die Aluminium Tubos, d.h. etwa in den 1940er Jahren.
Warum sich diese Verpackungsform, die Griffin’s für ihre Limited Edition wieder aufgenommen hat, nicht durchsetzte, beantwortet Min Ron Nee nicht. Die Aufgabe der Feuchtigkeitskonservierung dürften die Glastubos genauso gut erfüllt haben wie die Tubos aus Aluminium. Vielleicht waren die Glasröhrchen schlicht zu anfällig für Transportbeschädigungen.