Internet-Verweigerer
Der US-Branchendienst Cigarcyclopedia präsentiert heute viele Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr, darunter die Schätzung, dass der Versand- und Online-Handel in den USA inzwischen einen Marktanteil von 50 Prozent erreicht hat.
In Europa sind wir davon natürlich noch ein Stück entfernt, trotzdem zeigen diese Zahlen, dass es für Hersteller und Importeure langsam aber sicher wirklich nicht mehr opportun ist, das Internetgeschäft zu ignorieren. Trotzdem ist dies hierzulande Realität. Davidoff ist ein Beispiel – in den altehrwürdigen Depositärverträgen sind Online-Händler ohne stationären Ableger schlicht nicht vorgesehen.
In den USA herrscht eine ganz andere Stimmung. Camacho-Geschäftsführer Christian Eiroa, der im US-Markt gross geworden ist, erlebte ich bei unserem Zusammentreffen richtig internetbegeistert. Sein ganzes Marketing ist auf das Internet ausgerichtet – siehe z.B. Room 101 Cigars oder Socialcigar.
Die Internetgegner argumentieren mit dem Schutz des traditionellen Fachhandels. Ich bin der Meinung, dass Qualität keine Frage des Verkaufskanals ist. Man kann es im Internet oder als traditioneller Fachhändler gut oder schlecht machen. Auch das Argument, dass der stationäre Fachhandel geschützt werden müsse, weil dort höhere Kosten für Miete und Personal anfallen würden, ist nicht stichhaltig. Statt Miete und Personal fallen IT-, Logistik- und Marketing-Kosten an.
Noch wichtiger bzw. problematischer ist aber meines Erachtens, dass die Internet-Verweigerer mit ihrer Haltung eine wachsende Kundengruppe mit ihren legitimen Bedürfnissen nicht ernst nehmen (in einem rückläufigen Gesamtmarkt nota bene).