Kubas bester Markt
James Suckling von Cigar Aficionado hat eine Replik auf den Artikel «Cuban Cigars JFK Loved May End ‘Forbidden Fruit’ Status in U.S.» verfasst, der im letzten Sommer publiziert wurde und hier im Beitrag «Das Doppelmarken-Problem» aufgenommen wurde.
Der aufschlussreiche Artikel «Cuba’s Best Market» fasst Sucklings aktuelle Einschätzung zum US-Markt und den Folgen eines allfälligen Embargo-Endes zusammen und ergänzt die Einschätzungen von Heinrich Villiger zum gleichen Thema. Die Kernaussagen:
- Suckling glaubt, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis dass US-Embargo fällt.
- Die im Bloomberg-Artikel aufgestellte Vermutung, Kuba halte ein Lager von 80 Millionen Havannas bereit für den Moment der Grenzöffnung, hat für Suckling keine Grundlage. Grössere Lagerbestände erklärt er mit der rückläufigen Nachfrage als Folge der wirtschaftlichen Weltlage.
- Suckling erklärt, dass Kuba grundsätzlich nicht daran interessiert sei, fertig gerollte Zigarren über längere Zeit zu lagern. Das Risiko für Beschädigungen durch Unwetter, Ungeziefer usw. ist gross. Zudem verlieren gerollte Havannas auf Kuba nach Einschätzung von Suckling relativ schnell an Charakter und Qualität.
- Das Doppelmarken-Problem ist für Suckling überwindbar: Die kubanische Vertriebsorganisation Habanos könnte zum Beispiel mit eigenen Shops in den USA auftreten, die betroffenen Marken mit neuen Namen verkaufen und den Kuba-Bezug mit der Dachmarke Habanos herstellen.
- Suckling ging früher davon aus, dass bereits heute 8-10 Millionen Havannas pro Jahr in die USA gelangen. Inzwischen will Suckling erfahren haben, dass Habanos intern mit einer Zahl von 20 Millionen rechnet. Gewisse Händler würden sogar davon ausgehen, dass 50 Millionen Havannas pro Jahr von Amerikanern gekauft werden (was einem Drittel der gesamten Habanos-Exportmenge entsprechen würde).
- Wie Havannas schon heute in die USA gelangen, zeigt eine Geschichte, die Suckling von einem Habanos-Mitarbeiter erzählt wurde: Frankreich stellte sich zu Beginn des Irak-Kriegs gegen die USA (Stichwort «Freedom Fries»). In der Folge reisten weniger Amerikaner nach Frankreich. In diesem Jahr gingen die Duty-Free Verkäufe in Frankreich von 4 auf 2 Millionen Stück zurück.
- Die Vertriebsorganisation Habanos rechnet mit einem Absatz von 100 Millionen Havannas für die USA im ersten Jahr nach einem allfälligen Fall des Wirtschaftsembargos, längerfristig liegen die Schätzungen bei 50 Millionen Stück pro Jahr.
- Die USA ist möglicherweise schon heute der wichtigste Absatzmarkt für Havannas.