«Nur an Zigarren herrscht in diesem Land kein Mangel»
In der Reportage «Ein rauchendes Fest» blickt die Frankfurter Rundschau heute noch einmal auf das Habanos Festival zurück. Die Autorin, vermutlich Nichtraucherin, berichtet unverklärt, mit einer erfrischenden Distanz. Ein Auszug:
(..) Nach kurzem Schlaf trifft sich die Weltgemeinschaft wieder. Ein Besuch der Altstadt steht auf dem Programm, genauer gesagt die Casa de Habanos, die Reynaldo Gonzáles Jiménez gehört. Der unscheinbare Mann gilt als Zigarren-Papst. Zu Reynaldo, wie ihn alle nur nennen, gelangt man durch einen grünen Innenhof, sehr idyllisch, doch das Herzstück des Anwesens ist ein verräucherter Raum mit tiefen Decken, der an einen englischen Gentleman-Club erinnert.
Als Nichtraucher kann man nur laut hustend die Flucht ergreifen. Born aber lässt sich in einen tiefen Ledersessel fallen und lauscht andächtig dem Meister. Reynaldo ist ja auch ein Unikum. Hat ursprünglich mal Tiermedizin studiert, aber weil er irgendwann merkte, dass er doch nicht auf dem Land praktizieren will, hat er sich in den Tabakfabriken das Zigarren-Handwerk beibringen lassen. Heute verkauft er Preziosen aus den besten Fabriken und Eigenkreationen. Extrem erfolgreich. Man darf ihn bloß nicht fragen, wie er es geschafft hat, dass diese florierende Privatwirtschaft vom Staat geduldet wird. So beredt der kleine Mann sonst ist, da schweigt er.