Warum sich Alkohol und Zigarren gut verstehen

(Bildquelle: Premium-cigars.ch)
Warum wählt der Geniesser oft ein alkoholisches Getränk als Begleitung einer feinen Zigarre? Der Artikel «Eine berechenbare Ehe», erschienen in der ersten deutschsprachigen Cigar Clan-Ausgabe, gibt auf diese Frage spannende Antworten.
Aus aktuellem Anlass – diese Woche gibt es in unserem Sommer-Wettbewerb ein Zigarren-Whisky-Set und ein Zigarren-Rum-Set zu gewinnen – ein Ausschnitt aus besagtem Cigar Clan Artikel:
Zunächst finden chemische Reaktionen im Inneren der angezündeten Cigarre statt. Bei einer Temperatur von 800 bis 1000 Grad Celsius werden einige feste Bestandteile – Aldehyde, Alkaloide, Säuren, Ester – gespalten, die lange in der Cigarre geschlummert haben, werden Molekularketten zerstört, flüchtige Stoffe »befreit« – und wir erhalten das aromatische Bouquet, das im Tabak angelegt ist. Doch längst nicht alle Stoffe, die für das Aroma »verantwortlich« sind, erfüllen ihre Aufgabe ordentlich. Sie entfalten ihr eigenes Aroma, unabhängig von den anderen. Die Sache ist die: Nicht alle sind in Wasser (in diesem Fall Speichel) löslich, dafür aber ausgezeichnet in Alkohol, sagen wir: im Cognac. Dabei fügen sie neue Aromastoffe hinzu und bereichern das Bouquet.
Im übrigen ist Alkohol nicht nur ein wunderbares Lösungsmittel. Er übernimmt auch die Funktion des Zerstäubers, der die flüchtigen Aromastoffe im Mund verteilt und bei ihrem Transport durch den Mund zu den inneren Rezeptoren behilflich ist, damit wir die Geschmacksempfindungen genießen können. Alkohol ist ein großer Freund der Terpene und der Ester, der angenehmsten und stärksten Aromastoffe, die sich beim Tabakbrand bilden. Gerade diese Stoffe lassen uns beim Rauchen einer Cigarre Düfte von Schokolade, Leder, Ingwer oder auch Pfeffer wahrnehmen. Die hohe Temperatur, in deren Ergebnis diese Aromastoffe entstehen, ist jedoch keine Garantie dafür, daß die erforderlichen Veränderungen in der Molekularstruktur stattfinden. Mehrere Ester gehen auf halbem Weg »zu Bruch«, wobei sie sich in Säuren verwandeln und die Aromenskala verkürzen. Hier nun betritt der Alkohol die Bühne. Indem er sich mit den praktisch nutzlos gewordenen Säuren verbindet, ist er imstande, die gespaltenen Elemente wieder zu vereinigen und die Ester wiederherzustellen. Folglich würden wir ohne Alkohol, der Geschmack und Aroma verstärkt, beim Rauchen weit weniger Genüsse haben. Das von dem russischen Chemiker Sinin entdeckte Aldehyd zum Beispiel, das nicht in Wasser löslich ist, ergibt beim »Verkehr« mit Alkohol den Zimtgeschmack, während der Ester ›Diazoamid‹ die Schokoladenoten schmecken läßt. Die von Kennern so geschätzten animalischen Noten und Pferdestallgerüche werden insbesondere in der Wechselwirkung des Alkohols mit Ammoniak entwickelt, das nach der Fermentierung im Tabak zurückgeblieben ist.